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JEF Ruhrgebiet

News

Hier findest du die gesamten News der JEF Bochum/Dortmund. Von der Gründung als JEF Ruhrgebiet bis heute sind hier alle Berichte zu unseren Veranstaltungen, Projekten und Events zusammenfasst: Länderabende, Podiumsdiskussionen, Straßenaktionen, Planspiele und vieles mehr. Kurz: hier findest du alle News mit und von der JEF Bochum/Dortmund.

Letzter Ausweg Grexit?

Podiumsdiskussion

Letzter Ausweg Grexit?

(23.11.2015) Diese Frage diskutierten Grigorios Delavekouras (Generalkonsul von Griechenland in Düsseldorf), Prof. Dr. Johannes Becker (Professor für Finanzwissenschaft an der Universität Münster), Prof. Dr. Ansgar Belke (Professor für Makroökonomik an der Universität Duisburg-Essen) und Nikolaos Georgakis (freier Journalist) unter der Moderation von Steffen D. Meyer (freier Journalist und Mitglied JEF NRW) am 23. November 2015 in der Volkshochschule Essen.

Europa: eine Wertegemeinschaft

Der Generalkonsul betonte in seinem Impulsvortrag die gemeinsame Heimat Europa. Für diese und die europäische Identität sei ein Grexit, d.h. ein Austreten Griechenlands aus dem Euro, ebenso gefährlich wie die aktuelle Flüchtlingskrise. Die Antwort des Generalkonsuls auf beide Probleme: Menschlichkeit. Man müsse Zweifel vergessen und dem Staat Griechenland, der in den vergangenen Jahren oftmals als Synonym für die europäische (Finanz-) Krise verwendet wurde, wieder Vertrauen schenken – besonders Vertrauen in die griechische Wirtschaft. Investitionen seien derzeit der einzige Weg zur Verbesserung der Lage.

Schuldenaufschub für Griechenland als Alternative zum Grexit

Dass die Wirtschaft Griechenlands wieder angekurbelt werden muss, ist auch für Prof. Dr. Ansgar Belke unumstritten. Die Löhne der Griechen und die Preise für griechische Produkte seien zu sehr gesunken. In einem Austritt Griechenlands aus dem Euro sieht er keine Lösung. Er befürwortet einen Schuldenaufschub, um dem Land mehr Zeit zu geben, seine Exporte zu erhöhen und für innere Stabilität zu sorgen.

Der Euro ist nicht gleich Europa

Prof. Dr. Johannes Becker glaubt, dass Griechenland ohne den Euro mehr Möglichkeiten hätte, seine Situation zu verbessern. Er sieht es als unglücklich an, dass der Euro standardgemäß mit Europa gleichgesetzt wird. Man sollte vielmehr aus dem Euro austreten können, wenn es den Bürgern/innen damit besser geht. Laut Becker sollte ein Geldsystem den Europäern dienen und nicht andersherum.

Zu wenig Reformen, zu harte Sparmaßnahmen

Darauf, dass die Griechen überzeugte Europäer sind, wies der freie Journalist Nikolaos Georgakis hin. Sie hätten sogar selber Reformen für ihr Land bzw. das griechische System gefordert, damit Korruption bekämpft und Transparenz geschaffen wird. Was sie stattdessen bekommen hätten, seien zu harte Sparmaßnahmen. Diese hätten eine „Lage der Verzweiflung“ hervorgerufen – erhöhte Selbstmordraten inklusive. Der Generalkonsul räumte ein, dass in der Vergangenheit wegen hohen politischen Drucks vielfach falsche Entscheidungen getroffen worden seien, beispielsweise was die Besteuerung bestimmter Produkte in Griechenland anbelangt. Sein Land bemühe sich jedoch, Verbesserungen zu bewirken und den Forderungen gerecht zu werden.

Mehr Europa als Antwort auf die Krise

Trotz finanzpolitischer Uneinigkeiten waren sich die Podiumsgäste am Ende in einer Sache dann doch einig: Mehr Europa ist sinnvoll und hilft auch einem geschwächten Staat wie Griechenland. „Wir gehören zur europäischen Familie“, sagte Delavekouras ganz deutlich. Man dürfe nie vergessen, warum das europäische Projekt (die Europäische Union und ihre Vorgängermodelle) initiiert wurde: um einen erneuten Krieg zu verhindern. Diese politische Dimension vereine Europa.

Text von: Victoria Krebber
Foto/Bild von: Markus Thürmann
Veröffentlicht am: 23.11.2015