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JEF Ruhrgebiet

News

Hier findest du die gesamten News der JEF Bochum/Dortmund. Von der Gründung als JEF Ruhrgebiet bis heute sind hier alle Berichte zu unseren Veranstaltungen, Projekten und Events zusammenfasst: Länderabende, Podiumsdiskussionen, Straßenaktionen, Planspiele und vieles mehr. Kurz: hier findest du alle News mit und von der JEF Bochum/Dortmund.

Land zwischen Europa und Asien

Länderabend

Land zwischen Europa und Asien

(28.06.2015) Was zeichnet die Türkei aus? Die aus Erzincan stammende Studentin Meltem, die an der Ruhr-Universität Bochum Europäische Kultur und Wirtschaft studiert, stellte während des letzten JEF-Länderabends vor der Sommerpause ihr facettenreiches Heimatland vor. Dieses ist angesichts der überraschend ausgefallenen Parlamentswahlen vom 7. Juni wieder in die politischen Schlagzeilen geraten.

Gründervater Atatürk

Meltem wies in ihrem Vortrag auf die herausragende Bedeutung des Politikers Mustafa Kemal Atatürk für die Entstehung der modernen Türkei hin. Die Initiative zur Gründung eines republikanisch verfassten türkischen Nationalstaats nach Zusammenbruch des Osmanischen Reich ging nämlich im Wesentlichen von ihm aus. Atatürk spielte zudem eine wichtige Rolle bei der politischen und gesellschaftlichen Modernisierung der Türkei, da er sich für die Einführung eines Zivilrechts nach europäischem Vorbild und die Verbesserung der rechtlichen Situation der Frauen einsetzte. Eine weitere Reform Atatürks war die Schaffung einer auf dem lateinischen Alphabet basierenden türkischen Nationalsprache. Seiner Ansicht nach sollte dieser Schritt einen bewussten Bruch mit der bisherigen arabischen Sprachtradition herbeiführen und Ausdruck des Bestrebens der Türken sein, „zur zivilisierten Welt“ dazu zu gehören. Laut Meltem stellt Atatürk bis heute vor allem für säkular orientierte Türken ein wichtiges Vorbild dar.

Kultur und Küche der Türkei

Der Vortrag ging außerdem auf die vielfältige Kultur und Küche des Landes ein. Als Begründer der modernen türkischen Literatur gilt der Dichter Nazim Hikmet, der auf Grund seiner kommunistischen Überzeugungen einige Jahre im Exil in der Sowjetunion verbrachte. Ein bedeutender zeitgenössischer türkischer Schriftsteller ist Orhan Pamuk, der für seine Leistungen im Jahr 2006 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet wurde. Des Weiteren betonte Meltem, dass es in der Türkei eine große Musikszene gibt, die  beispielsweise Klassik  oder auf  traditionellen Einflüssen beruhende Folk-Musik umfasst. Musik spielte auch als Ausdrucksmittel für die Gezi-Protestbewegung des Jahres 2013, die sich gegen die Regierung Erdogan richtete, eine bedeutende Rolle.

Als Nationalgetränke gelten schwarzer Tee und der türkische Kaffee.  Der Konsum von Kaffee wird von vielen Türken als angenehme Freizeitpause betrachtet. So existiert beispielsweise das Sprichwort, dass man eine gute Tasse Kaffee 40 Jahre lang nicht vergisst. Spezialitäten der türkischen Küche sind ebenfalls ihre Desserts. Zur Veranschaulichung hierzu brachte Meltem den Anwesenden Rosenkonfekt mit.

Die Türkei und Europa

Das Verhältnis der Türkei zur europäischen Einigung bildete natürlich auch einen Themenpunkt von Meltems Vortrag. Seit den 1960er Jahren existieren türkische Bestrebungen, das Land an das Projekt der europäischen Integration heranzuführen. Im Jahr 2005 nahm die EU Beitrittsverhandlungen mit der Türkei auf. Als wichtige Hindernisse eines türkischen EU-Beitritts nannte Meltem den Zypernkonflikt (Die Türkei erkennt die griechisch geprägte Republik Zypern nicht an) und die nach wie vor wenig verbesserte Menschen- und Bürgerrechtslage. Viele Türken glauben nicht, so Meltem, dass es noch eine konkrete Beitrittsperspektive geben würde. Zudem würden die Türken verstärkt diskutieren, ob ihr Land eine europäische oder eher eine asiatische Nation sei.

Wahl 2015

Die Parlamentswahlen hätten laut Meltem gezeigt, dass eine Mehrheit der Türken die von Erdogan geplante Einführung eines Präsidialsystems ablehnt. Der Wahlerfolg der linken und prokurdischen Partei HDP ließe sich vor allem auf deren Beliebtheit bei jungen Erwachsenen zurückführen.  Nach der Wahl ziele die islamisch-konservative AKP Erdogans darauf ab, entweder eine Koalition mit der nationalistischen MHP zu bilden oder aber Neuwahlen anzustreben, in der Hoffnung, wieder eine absolute Mehrheit wie bei der vorherigen Parlamentswahl erhalten zu können.

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Text von: Jan Meiser
Foto/Bild von: Markus Thürmann
Veröffentlicht am: 28.06.2015