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JEF Ruhrgebiet

News

Hier findest du die gesamten News der JEF Bochum/Dortmund. Von der Gründung als JEF Ruhrgebiet bis heute sind hier alle Berichte zu unseren Veranstaltungen, Projekten und Events zusammenfasst: Länderabende, Podiumsdiskussionen, Straßenaktionen, Planspiele und vieles mehr. Kurz: hier findest du alle News mit und von der JEF Bochum/Dortmund.

Hat Europa eine Öffentlichkeit?

JEF meets RUB AStA

Hat Europa eine Öffentlichkeit?

(24.09.2015) Was lässt sich unter dem Begriff europäische Öffentlichkeit verstehen? Gibt es überhaupt eine europäische Öffentlichkeit? Und wenn ja, wie kann sie vergrößert werden? Antworten auf diese und andere Fragen, versuchten die JEF Ruhrgebiet bei einem „JEF meets“- Treffen mit Vertretern des AstAs der Ruhr-Universität zu finden.

I.

Mehr EU-Kompetenzen, mehr europäische Öffentlichkeit

In der ersten Diskussionsrunde präsentierte Christoph zunächst seine Definition des Begriffes „Europäische Öffentlichkeit“. Die Teilnehmer kamen überein, dass eine europäische Öffentlichkeit in denjenigen Bereichen existiere, die von der EU komplett reguliert werden und somit als „vergemeinschaftet“ gelten. Als Beispiel hierfür wurde etwa die Landwirtschaft angeführt. Innerhalb dieser Themenbereiche seien die EU- Institutionen für die Unionsbürger  ein zentraler Ansprechpartner für Kritik oder für Verbesserungsvorschläge. Hingegen lasse sich für den Bereich der Sicherheits- und Verteidigungspolitik nicht von einer europäischen Öffentlichkeit sprechen, da die EU hier nur über relativ geringe Handlungsspielräume verfüge. Stattdessen würden in diesem Themenfeld vielmehr die Nationalstaaten und die NATO im Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion stehen. Kritisiert wurde in diesem Zusammenhang auch, dass das Thema Europa bei den öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern nach wie vor ein Nischendasein vor fristen würde.

 

Maßnahmen zur Intensivierung der europäischen Öffentlichkeit

Aus Sicht einiger Teilnehmer stellte die Europäische Bürgerinitiative ein gutes Instrument dar, um einen europaweiten Diskurs anzustoßen und das europapolitische Interesse der Unionsbürger zu erhöhen. Allerdings wurde betont, dass die Hürden zur Initiierung einer Bürgerinitiative auf europäischer Ebene eindeutig minimiert werden müssten. Des Weiteren plädierten die Diskutanten dafür, diesem Mittel mehr politische Durchsetzungsfähigkeit zu verleihen.

Zudem war man sich einig darin, dass gerade Intermetmedien wie Youtube von den EU- Institutionen und proeuropäischen Verbänden und Think Tanks genutzt werden, um junge Menschen an die Idee der europäischen Einigung heranzuführen. Ein Mitglied der Diskussionsgruppe regte in diesem Zusammenhang an, einen Youtube-Kanal für die JEF Ruhrgebiet zu gründen.

 

II.

In unserer Diskussionsrunde gab Irina zunächst einen kursorischen Überblick darüber, was man unter dem Begriff der „europäischen Öffentlichkeit“ überhaupt verstehen kann und welche gesellschaftlich-politischen Diskussionen und theoretischen Konstrukte sich daran anschließen lassen.

 

Nationale Ausrichtung der  Massenmedien

Wir versuchten zu erörtern, welche Rolle Medien in Europa spielen und welchen Einfluss sie auf die Meinung der EU-Bürger haben. Die herausragende Rolle von Massenmedien wie Fernsehen, Zeitungen und Zeitschriften bot uns reichlich Anknüpfungspunkte über die allseits thematisierte Negativ-Berichterstattung über die EU bzw. Brüssel zu sprechen, aber auch über aktuelle Berichterstattungen zur Flüchtlingskrise in Europa und die Finanzhilfen- und Rettungspolitik für Griechenland zu diskutieren. Dabei stellte sich schnell die Problematik heraus, dass in Europa verschiedene nationale Mediensysteme existieren, die unterschiedlich funktionieren und vorwiegend für ihr Land berichten. „Europäische Nachrichten“ oder gesamteuropäische Themen werden so in der Regel für ein nationales Publikum aufbereitet und sind entsprechend perspektiviert. Anhand der von den „Institutionen“ geforderten Sparpolitik in Griechenland ließ sich für die mediale Darstellung in Deutschland aufzeigen, dass die Sparmaßnahmen größtenteils als „vernünftig“ und „richtig“ dargestellt wurden, wogegen das Verhalten der griechischen Regierung in der Berichterstattung dagegen als „irrational“, „schädlich“ und ja „uneuropäisch“ bezeichnet wurde.

 

Alternative Internet ?

Auch die Rolle des Internets wurde nicht vernachlässigt und in unsere angeregten Überlegungen mit einbezogen. Online-Medien, Soziale Netzwerke (bspw. Twitter und Facebook) oder Videoplattformen wie YouTube, so waren wir uns einig, bieten neue reichenweitenstarke und grenzüberschreitende Kanäle, die eine transnationale Öffentlichkeit ermöglichen. Unterm Strich kamen spannenderweise mehr Fragen als Antworten auf: Ist für die Förderung einer gesamteuropäischen Öffentlichkeit ein gemeinsamer Fernsehsender notwendig? Müsste er von der EU finanziert, oder komplett unabhängig, ja vielleicht privat sein? Spielen die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten in Zukunft noch eine Rolle oder machen wir europäischen Bürger und unsere europäische Öffentlichkeit über das Internet selbst? Vielleicht eher durch dezentrale Netzwerke und überall verfügbare Plattformen statt über klassische Kanäle und lineare Medien wie das Fernsehen?

 

Aufgaben für die JEF

Wichtig war auch die abschließende Frage, welche Möglichkeiten die JEF bzw. die JEF Ruhrgebiet  hat, um europäische Öffentlichkeit in irgendeiner Form zu fördern. Hier wurde beispielsweise eine engere Verknüpfung mit lokalen und überregionalen Medien angedacht. Darüber hinaus sollten wir stärker auf unsere Webseiten wietreffpunkteuropa.de hinweisen und unsere Newsletter bewerben und auch Nicht-Mitgliedern schmackhaft machen. Außerdem, so lauteten einige Vorschläge, sollte man sich in naher Zukunft mehr mit der eigenen Twitter-Präsenz der JEF und informativen YouTube-Kanal mit inhaltlichen Beiträgen nachdenken.

 

Das voraussetzungsvolle und komplexe Thema regte an diesem Abend wirklich viele Gedanken und Überlegungen an. Der Dank geht dahingehend auch an die konstruktiven Beiträge von Simon und anderen Leuten vom AstA der RUB.

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Text von: Sebastian Hetheier, Jan Meiser
Foto/Bild von: JEF NRW
Veröffentlicht am: 24.09.2015