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JEF Ruhrgebiet

News

Hier findest du die gesamten News der JEF Bochum/Dortmund. Von der Gründung als JEF Ruhrgebiet bis heute sind hier alle Berichte zu unseren Veranstaltungen, Projekten und Events zusammenfasst: Länderabende, Podiumsdiskussionen, Straßenaktionen, Planspiele und vieles mehr. Kurz: hier findest du alle News mit und von der JEF Bochum/Dortmund.

Irland und seine niedrigen Steuern

Irischer Botschafter

Irland und seine niedrigen Steuern

(22.10.2015) "Unsere niedrigen Steuern werden bleiben!" Das war eines der Argumente, die der irische Botschafter am 22. Oktober 2015 in der Volkshochschule Essen einem interessierten Publikum unterbreitete. Die JEF Ruhrgebiet hatte zusammen mit der VHS und dem Europe Direct Essen zur Veranstaltung "Der irische Weg aus der Finanzkrise" eingeladen. Neben Botschafter Collins erklärte auch Volkswirtschaftsprofessor Ansgar Belke von der Universität Duisburg-Essen seine Sicht der irischen Krise.

Irlands Botschafter verteidigte die Wirtschafts-Strategie seines Landes

Die meiste Zeit über blieb der irische Botschafter Michael Collins ruhig - bis eine Frage nach den niedrigen Unternehmenssteuern in seinem Land gestellt wurde. "Wir sind ein Niedrigsteuerland", betonte er mit jeder Silbe. "Unsere Unternehmenssteuer ist 12,5 Prozent und wird 12,5 Prozent bleiben! Sie ist uns heilig. Wir werden das auf keinen Fall ändern!" Als sein Land vor einigen Jahren in der Krise gesteckt habe, habe dieser niedrige Prozentsatz - in Deutschland sind es 30 Prozent - zur Gesundung der irischen Wirtschaft maßgeblich beigetragen. Ihn abzuschaffen, hieße den "Grundpfeiler der irischen Wirtschaft" zu zerstören. Ohne diesen Grundpfeiler hätte Irland nie aus der Krise herausgefunden.

 

Irland, Nevada und die Bankenunion

Der Wissenschaftler Professor Belke hatte für eine Studie Irland mit dem US-Bundesstaat Nevada verglichen: Anhand verschiedener Grafiken zeigte er, dass das europäische Land und die Region in den Vereinigten Staaten sehr viele Ähnlichkeiten aufweisen. In puncto Neuverschuldung unterscheiden sie sich deutlich. Während diese in Nevada während der Krise fast gar nicht anstieg, kletterte sie in Irland in schwindelerregende Höhen: 2007 betrugen die irischen Schulden noch rund 20 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, 2013 schon ganze 120 Prozent. In Nevada blieben sie bei etwa 20 Prozent.

Für Belke gibt es dafür einen entscheidenden Grund: “Die USA haben bereits eine vollständig funktionierende Bankenunion.” In Europa hingegen ist jedes Land selbst für seine Geldinstitute verantwortlich. Um seine Banken zu retten, musste Irland sich daher hoch verschulden. In den USA hingegen griff die FDIC (Einlagesicherungsfonds der US-Bankenunion) ein. In Europa hat die EU jedoch nicht die dafür nötigen Kompetenzen.

 

Fragekarten aus dem Publikum

Die rund 60 Zuhörer in den Räumen der VHS konnten während der Ausführungen des Botschafters und des Wissenschaftlers ihre eigenen Fragen auf Zettel schreiben und diese zu Moderator Markus Thürmann reichen, der zugleich Landesvorsitzender der JEF NRW ist. Neben der Frage nach den niedrigen Steuern Irlands wollte ein Besucher von Botschafter Collins wissen, ob nicht auch viele junge Iren das Land während der Krise verlassen hätten. "Das stimmt", antwortete Collins. "Mein Sohn arbeitet jetzt in London. Er ist einer von vielen, die während der Krise das Land verlassen haben. Jetzt versuchen wir alles, um die jungen Leute zurückzubekommen."

 

Gruppenbild: Diskutierten über Irland (von links): Prof. Dr. Ansgar Belke, JEF-NRW-Vorsitzender Markus Thürmann und Irlands Botschafter Michael Collins

Text von: Steffen Meyer
Foto/Bild von: Steffen Meyer
Veröffentlicht am: 22.10.2015