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JEF Ruhrgebiet

News

Hier findest du die gesamten News der JEF Bochum/Dortmund. Von der Gründung als JEF Ruhrgebiet bis heute sind hier alle Berichte zu unseren Veranstaltungen, Projekten und Events zusammenfasst: Länderabende, Podiumsdiskussionen, Straßenaktionen, Planspiele und vieles mehr. Kurz: hier findest du alle News mit und von der JEF Bochum/Dortmund.

Verbotene Wörter, maritime Gemütlichkeit und eine ganz andere Alternative

Kopenhagenfahrt 2018

Verbotene Wörter, maritime Gemütlichkeit und eine ganz andere Alternative

(17.11.2018) Nachdem die 15 Teilnehmer*innen der Kopenhagenreise in der vergangenen Woche wieder in ihren Heimathäfen in NRW und Schleswig-Holstein angelegt haben, lohnt es sich, noch einmal auf die Begegnung mit der Europæisk Ungdom København zurückzuschauen.

Europæisk Ungdom København – warum trägt die JEF Kopenhagen diesen ungewöhnlichen Namen, der übersetzt ganz einfach Europäische Jugend Kopenhagen heißt? Schon zu Beginn führte diese Bezeichnung zu Erstaunen, da ihr das Grundbekenntnis zum föderalen Europa fehlt, das den meisten anderen Sektionen der JEF direkt im Titel anzusehen ist. Diese Namenswahl sei jedoch strategisches Kalkül, versicherte Magnus Orstrand, International Officer der Kopenhagener JEF, da „Föderalismus“ in Dänemark – einem recht zentralistischen Land – einen sehr negativen Beigeschmack hat und im Alltagsverständnis vieler Dän*innen mit einer Fremdbestimmung durch Brüssel verbunden werde.

Ein weiteres Wort mit besonderer Bedeutung für Dänemark sei „Souveränität“, versicherte wenige Tage später Catharina Sørensen, Leiterin der Forschungsabteilung des Think Tanks EUROPA in Kopenhagen. So zeige sich, dass die Zustimmung zur Verlagerung bestimmter Kompetenzen an die europäische Ebene vom Framing dieser Kompetenzübertragung abhänge – frage man „Sollte Dänemark im Feld xyz enger auf europäischer Ebene kooperieren?“ fallen die Zustimmungsraten um bis zu 24% höher aus als bei der gleichen Frage, wenn sie als „Abgabe von Souveränität“ formuliert werde. Inwieweit sich dieselbe Tendenz in anderen Mitgliedsstaaten zeige, konnte Sørensen jedoch nicht beantworten. Die Betonung der eigenen Souveränität, die sich auch in den dänischen Opt-Outs niederschlägt, zeigte sich außerdem auch am dänischen Parlament, das ganz im Gegensatz zu anderen europäischen Parlamenten nur die dänische Flagge präsentiert.

Neben diesen speziell europapolitischen Fragestellungen ging es bei der Reise außerdem um das dänische Parteiensystem und seinen Umgang mit der rechtspopulistischen Dansk Folkeparti (Dänische Volkspartei), die 1995 gegründet wurde und seit 1998 dem dänischen Parlament angehört. In einem gemeinsamen Workshop mit der Europæisk Ungdom København wurden Reaktions- und Handlungsmöglichkeiten der anderen Parteien diskutiert, und auch mit der Situation in Schweden verglichen. Während die dortigen Schwedendemokraten isoliert wurden, versuchten die konservativeren dänischen Parteien schon recht früh, Themen der Rechtspopulisten in ihr Programm aufzunehmen. Während einige Wissenschaftler*innen dies als einen Erfolg bezeichnen, da es zu einer Entradikalisierung der Dansk Folkeparti geführt habe, kritisieren andere Beobachter*innen, dass auf diese Weise rechtspopulistische Forderungen und Rhetorik im Mainstream der Parteienlandschaft angekommen seien. Darüber, welche Konsequenzen diese Beobachtungen für den Umgang mit der Alternative für Deutschland haben, wurde hitzig diskutiert.

Im Übrigen kennt auch das dänische Parteiensystem seit kurzem seine eigene Alternative: die Partei Alternativet, deren Abgeordneter Rasmus Nordqvist eine Führung durch das dänische Parlament gab und dabei die eigene Motivation und das parteipolitische Programm vorstellte, das im Gegensatz zur deutschen Alternative vor allem grüne und sozialliberale Schwerpunkte enthält. Die Reisegruppe besuchte außerdem die Vertretung des Europäischen Parlaments in Kopenhagen, die ihre Kampagne „This time I’m voting“ für die kommende Europawahl vorstellte. Im Anschluss wurden Ideen für eigene Aktionen gesammelt, sowie Ansätze diskutiert, wie die JEF-eigene Kampagne „Europa machen“ lokal ergänzt werden könnte. Darüber hinaus trafen die Teilnehmer*innen sich am Mittwochabend mit YATA, der Youth Atlantic Treaty Association, um über die Möglichkeit und Notwendigkeit einer europäischen Armee zu diskutieren. Diese Diskussion zwischen YATA und Vertretern der JEF wurde anschließend in einer Bar über ein paar Gläsern Carlsberg weitergeführt.

Neben der eigenen Weiterbildung nahm die Reisegruppe aber auch den Auftrag politischer Bildung ernst, den verschiedenste JEF-Sektionen in dem Programm „Europe@school“ zu verwirklichen suchen. So besuchte sie am Donnerstagvormittag Hundige Lilleskole, eine Mittelschule in einem Außenbezirk Kopenhagens. In vier verschiedenen Workshops und einer abschließenden Fragerunde brachten sie den Schüler*innen der achten und neunten Klasse Europa und seine praktischen Implikationen für ihr eigenes Leben etwas näher. Wenngleich das europäische Institutionengefüge Teil des vorgeschriebenen Curriculums sei, könne dieser Austausch deutscher Studierender und dänischer Schüler*innen den europäischen Gedanken ganz praktisch stärken, bemerkte die zuständige Lehrkraft.

Zwischen diesen Events gab es außerdem ausreichend Zeit für Sightseeing, bspw. für eine Bootstour durch die Kanäle Nyhavns. Auch eine Stadtführung zu Fuß gab es am ersten Tag in Kopenhagen, wobei allerdings immer mal wieder Teilnehmer*innen zurückblieben, um auf dem Weihnachtsmarkt Kostproben entgegen zu nehmen. Dabei wurde insbesondere Gløgg für gut befunden, sodass auf unserem Intercultural Evening ebenfalls einige Gläser des dänischen Glühweins ausgeschenkt wurden. Neben einem kniffligen Quiz zu Deutschland, Dänemark und Europa nutzten die Teilnehmer*innen diesen letzten gemeinsamen Abend, um die freundschaftlichen Beziehungen weiter zu vertiefen und über die künftige Zusammenarbeit nachzudenken. Ein gegenseitiger Besuch der Weihnachtsfeiern von Flensburg und Kopenhagen ist bereits geplant!

Zuletzt soll außergewöhnliche Unterkunft der Reisegruppe erwähnt werden: das knapp 90-jährige Segelschiff Hawila, das – leider momentan wenig seetauglich – in Kastrup zu Hafen liegt und fünfzehn gemütliche Kojen bot. Im großen Gemeinschaftsraum (rustikal mit Kamin beheizt) ließen sich die Tage gemeinsam ausklingen, sodass auch der Austausch zwischen den einzelnen JEF-Kreisverbänden innerhalb Deutschlands nicht zu kurz kam. Insgesamt handelte es sich also um eine sehr gelungene Fahrt unter dem Motto: „Leinen los für die europäische Integration!“.

Die Fahrt nach Kopenhagen wurde mit Bundesmitteln aus dem Kinder- und Jugendplan, den Europa Union Kreisverbänden Düsseldorf, Steinfurt und Köln, sowie von der JEF Europe gefördert. Herzlichen Dank!

                    

Text von: Sonja Ebbing
Foto/Bild von: Sonja Ebbing
Veröffentlicht am: 17.11.2018